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Einführung im Herbst 2022

Erstellen eines pfarrlichen Schutzkonzeptes

Als Rechtsträger von Maßnahmen für Minderjährige und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene sind die Kirchengemeinden zur Erstellung eines Schutzkonzeptes verpflichtet.

Ausführungsbestimmungen des Bistums Trier wurden gemäß can. 8 § 2 CIC veröffentlicht. Die (Weiter-)Entwicklung hat spätestens binnen einen Jahres nach Inkraftsetzung der Ausführungsbestimmungen des Bistums zu erfolgen.
Das Schutzkonzept ist dabei der Oberbegriff, in den Schulungen, Verhaltenskodex, Personalauswahl, Führungszeugnis und andere Maßnahmen hineingehören.
Die Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Bad Kreuznach werden jeweils ein Schutzkonzept nach kriminalpräventivem Ansatz erstellen. Im ersten Halbjahr 2022 wird auf die Gremien und Gruppierungen zugegangen und vorhandenen Konzepte gemeinsam weiterentwickelt.

Die Einführung eines Schutzkonzeptes ab Herbst 2022 entspricht keinem Misstrauen der bisher ehrenamtlich Engagierten oder Angestellten in den Kirchengemeinden, im Gegenteil, wir trauen ihnen zu, Teil der Lösung zu sein, damit unsere Pfarreien ein sicherer Raum für Minderjährige und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene ist.

Mit Ihrer Achtsamkeit helfen Sie Menschen in Ihrem Umfeld damit keine/r in unserer Kirche mehr Verletzungen und Leid erfahren muss.

Wir laden Sie ein, auch wenn Sie keinem Gremien oder kirchlichen Gruppe angehören, bei der Erstellung durch Ihre Wahrnehmungen, Erfahrungen, Hinweise zu helfen. Gerne behandeln wir Ihre Anregungen auch anonym.

Kontakt: Dekanat Bad Kreuznach,
Daniel Bidinger
Tel.: 0671-92002889
E-Mail: daniel.bidinger(at)bistum-trier.de


Alle sind zur Mitwirkung eingeladen

Zwischenmeldung: Schutzkonzepte in den Pfarreien entwickeln sich

Einzelne Gruppen und Gremien und Einzelpersonen haben sich schon beteiligt. 
Sie setzen sich damit für eine sichere Zukunft für Minderjährige und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene in unseren Pfarrei ein. Das können auch Sie tun. 
Wenn Sie Mitglied einer kirchlichen Gruppe sind oder eine Gruppe leiten, sprechen Sie uns an.
Wir kommen dann gerne zu Ihnen und arbeiten gemeinsam an der Entwicklung unseres institutionellen Schutzkonzeptes.
Gerne können Sie uns auch ohne ein Treffen eine Rückmeldung zu unserem Entwurf geben.
Einen Rückmeldebogen finden Sie am Ende unseres Entwurfes (rechte Spalte).
Falls Sie den Entwurf ausgedruckt lesen möchten, sagen Sie bitte telefonisch im Dekanatsbüro (0671-34400) Bescheid. Ihnen wird der Ausdruck dann zugesandt. 
Bitte senden Sie Ihre Feedback und Ihre Anmerkungen an das Dekanatsbüro, Poststraße 6, 55545 Bad Kreuznach oder per E-Mail an: daniel.bidinger(at)bistum-trier.de

"Die Einführung der Schutzkonzepte in den Pfarreien ist das erste gemeinsame und solidarische Projekt des Pastoralen Raumes Bad Kreuznach."


Bausteine für eine Kultur der Achtsamkeit

  • Kultur der Achtsamkeit mit der Grundhaltung Wertschätzung und Respekt

    Prävention soll zur Kultur werden, was bedeutet das?


    Das Ziel jedes Institutionellen Schutzkonzeptes ist die Kultur der Achtsamkeit. Basierend auf der Grundhaltung von Wertschätzung und Respekt, erfordert diese Kultur neben einem bewussten und reflektierten Umgang mit sich selbst auch einen behutsamen und wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitenden und den schutz- oder hilfebedürftigen Menschen.
    Achtsamkeit wird in Einrichtungen und Gemeinschaften erfahrbar durch klar geregelten Schutz vor Grenzverletzungen, um den alle wissen und der von allen umgesetzt wird. Dabei braucht es Feinfühligkeit, denn jede Person hat ihre eigenen Grenzen, die es zu achten gilt.

     

    Partizipation von Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene

    Partizipation bedeutet die Beteiligung von Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im ehrenamtlichen als auch im hauptamtlichen Dienst. Bei Entwicklung und Entscheidung sollen alle Beteiligten einbezogen werden. Statt von oben herab soll klar werden:

    • egal ob Klein oder Groß, jung oder alt, …
    • jeder kann sich einbringen und mit gestalten
    • unterschiedliche Blickwinkel sind erwünscht


    Risiko- und Potentialanalyse

    Ausgangspunkt zur Erstellung eines Schutzkonzeptes ist die Analyse des jeweiligen eigenen Arbeitsfeldes. Je klarer und passgenauer Sie das Schutzkonzept für Ihren Bereich formulieren und einführen, desto größer ist der Schutz für die Menschen, mit denen Sie arbeiten.
    Diese Analyse erfasst Schutz- und Risikofaktoren, die Täterinnen und Täter für Missbrauchstaten ausnutzen können oder bereits bei früheren bekannten Vorfällen ausgenutzt haben.

  • Baustein 1: 
Personalauswahl und -entwicklung

    Personalauswahl und Personalentwicklung sind aus gutem Grund der erste Baustein. Haupt- und ehrenamtliche Entscheidungsträger verantworten, welche Menschen Leitung übernehmen dürfen und ob ihnen Minderjährigen und hilfe- oder schutzbedürftigen Erwachsenen anvertraut werden. Sie müssen daher fachlich und persönlich kompetent sein.

    Alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen sollten deshalb im Bereich Prävention gegen sexualisierte Gewalt geschult werden.

    Es geht darum, welche Menschen Verantwortung in der Pfarrei übernehmen dürfen. Denn ihnen wird Macht anvertraut zum Wohl von Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen. Sie müssen daher fachlich und persönlich kompetent sein. Dafür ist es nötig, auszuwählen, wer diese Verantwortung übernehmen soll, diese Menschen zu qualifizieren (alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen sollen deshalb im Bereich Prävention gegen sexualisierte Gewalt geschult werden) und sie zu begleiten, um miteinander auf Kurs zu bleiben, wenn es um die Kultur des achtsameren Miteinanders geht.

  • Baustein 2: Verhaltenskodex

    Damit Prävention wirksam werden kann, ist es notwendig, sich eindeutig gegen sexualisierte Gewalt zu positionieren und dies nach innen und außen deutlich zu machen.
    In einem Verhaltenskodex werden die Regeln definiert, die hinsichtlich des professionellen Umgangs mit Nähe und Distanz als verbindlich gelten. Sie verkleinern die Grauzone zwischen normalem und grenzüberschreitendem Verhalten und erleichtern es Betroffenen und Dritten, Grenzverletzungen zu benennen, sich Hilfe zu holen und somit auch sexuellem Missbrauch Einhalt zu gebieten. Gleichzeitig gibt er allen Sicherheit und Orientierung in sensiblen Situationen und kann so auch vor falschem Verdacht schützen.

    Damit Prävention wirksam werden kann, ist es notwendig, so zu handeln, wie es den Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen dient. In einem Verhaltenskodex werden dafür die Regeln definiert, die z. B. hinsichtlich des professionellen Umgangs mit Nähe und Distanz in der Pfarrei als verbindlich gelten. Dies schafft eine verlässliche Basis, die veröffentlicht wird und so auch in Erinnerung bleibt und eingefordert werden kann.

  • Baustein 3: Beratungs- und Beschwerdewege

    Für ein wirkungsvolles Schutzkonzept sind interne und externe Kontaktpersonen unerlässlich. Ziel dabei ist immer Klarheit und Transparenz. Allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen muss klar sein, an wen sie sich zur Vorbeugung gegen sexualisierte Gewalt, zur Intervention und für den Umgang mit Fällen wenden können. Es muss zudem klar sein, wie man sich beschweren kann und dass wer sich meldet auch tatsächlich ein offenes und interessiertes Ohr findet.

    Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen soll klar sein, an wen sie sich wenden können, wenn ihnen selbst etwas widerfährt oder sie eine Situation beobachten, bei der ihnen unwohl ist. Beratungs- und Beschwerdewege signalisieren: Bei uns findest du / finden Sie ein offenes und interessiertes Ohr.

  • Baustein 4: Dienstanweisung und hausinterne Regelungen

    Es ist wichtig den erstellten Verhaltenskodex und die Inhalte der Risikoanalyse zusammenzuführen und ganz konkrete Regeln für ihre Institution zu erstellen. Je detaillierter, desto klarer! Diese Regeln können dann auch arbeitsrechtliche Verbindlichkeit erlangen und allen Beteiligten mehr Handlungssicherheit geben.

    Konkrete Regeln, die sich im Alltag aus dem Verhaltenskodex für Aktionen der Pfarrei, vom Pfarrfest bis zum Ferienlager oder von der Erstkommunionvorbereitung bis zu den Gruppenstunden oder Messdienertreffen gelten, können gesetzt werden, um Orientierung zu geben. Dazu kann auch gehören, in pfarrlichen Gebäuden eine Hausordnung vorzugeben. Diese Vorgaben sind die Leitplanken des Miteinanders, deren Einhaltung eingefordert werden kann!

  • Baustein 5: Qualitätsmanagement

    Im Rahmen des Schutzkonzeptes ist die Sicherstellung von Qualität in der Arbeit durch unterschiedliche Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Auch ein gutes System präventiver Maßnahmen garantiert leider keinen Schutz auf Dauer, wenn es nicht regelmäßig in den Blick genommen und angepasst wird.

    Der Begriff ist auf den ersten Blick sperrig, meint aber etwas sehr Einfaches: Ein Schutzkonzept braucht ständig Wartung. Es muss lebendig gehalten, überprüft, verbessert und entwickelt werden. Und dafür braucht es Menschen, die sich darum kümmern.

  • Baustein 6: 
Interventionsplan und Nachsorge:

    Jede im kirchlichen Dienst stehende Person sowie alle ehrenamtlich Tätigen sind verpflichtet, Hinweise auf das Vorliegen eines sexuellen Missbrauchs oder einer strafbaren Handlung zu melden. Trotz guter Präventionsarbeit kann nicht gänzlich verhindert werden, dass Menschen sexualisierte Gewalt ausüben. Gute Prävention kann auch bewirken, dass eine Tat schneller entdeckt wird. Der Interventionsplan ist deshalb, auch wenn in Ihrer Einrichtung noch kein Fall bekannt ist, ein notwendiger Baustein.

    Eine frühzeitige und schnelle Hilfe verbessert die Heilungschancen. Aus Fehlern müssen wir lernen. Eine solche Fehlerkultur erfordert ein offenes Umgehen mit dem schmerzlichen Scheitern, das jedes Delikt sexualisierter Gewalt beinhaltet.

    Wie es zum Brandschutz dazu gehört, dass es einen Plan für den Ernstfall gibt, so gehört auch bei der Prävention sexualisierter Gewalt dazu, dass geklärt wird, wie vorgegangen wird, wenn ein Verdacht entsteht oder ein Übergriff verübt wird. Und dafür zu sorgen, dass Betroffenen schnell geholfen wird (denn schnelle Hilfe kann Langzeitschäden verhindern). Dazu gehört anschließend die Nachsorge, um Lehren aus solchen Ereignissen zu ziehen. Und dass alle in der Pfarrei begleitet werden, um die mit einem solchen Vorgang immer verbundene Erschütterung und Irritation bearbeiten zu können. Nur so können Mitarbeitende handlungsfähig zum Wohl der Anvertrauten bleiben.